Wenn man auf der IAA über neue Mobilitätskonzepte diskutiert – und dann in der Realität ankommt

Vom 14. und 15. September 2017 fand die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt für Fachbesucher statt, zum zweiten Mal mit dabei: die „New Mobility World“. Innovatoren, Start-ups und die Automobilindustrie diskutierten zu den Themen Vernetzte Fahrzeuge, Automatisiertes Fahren, Elektromobilität, Urbane Mobilität und Mobilitätsdienstleistungen. Der noch nicht verhallte Dieselskandal wirkte wie ein Katalysator auf die Überlegungen der Branche, wie Unternehmen und Städte sich wandeln und zeitgemäße Mobilitätslösungen anbieten müssen. Schon der Hauptsponsor facebook ließ vermuten, dass hier nicht primär die etablierten Automobilkonzerne den Ton angeben würden. Vielmehr standen neue Mobilitätsdienstleister wie ridecell, Uber oder Via im Fokus. Aber auch die etablierten Konzerne waren mit Tochtergesellschaften wie MOIA (Volkswagen) oder moovel (Daimler) vertreten.
So war eine Aufbruchsstimmung greifbar, die an den Beginn der Energiewende erinnert: Waren früher der eigene Pkw, die Deutsche Bahn und der ÖPNV die Eckpfeiler der Mobilität, wird in Zukunft ein bunter Strauß an Mobilitätsdienstleistungen für unsere Fortbewegung sorgen. Car Sharing, das Anmieten eines Fahrzeuges für eine begrenzte Zeit oder Ride Hailing, ein Mobilitätsangebot zur individuellen Beförderung von Fahrgästen, sind da sicherlich nur zwei Beispiele. Auch die Elektromobilität wird ein wichtiger Pfeiler der Zukunft der modernen Fortbewegung sein. Deren singuläre Betrachtung, z. B. beim Aufbau von Ladeinfrastruktur, ist aufgrund der Interdependenzen zu den Bereichen Vernetzte Fahrzeuge, Automatisiertes Fahren, Urbane Mobilität und Mobilitätsdienstleistungen jedoch nicht sinnvoll. Vielmehr müssen Unternehmen sowie Städte und Kommunen Konzepte erarbeiten, mit denen sie die Mobilitätsbedürfnisse ihrer Kunden ganzheitlich adressieren. „Eine ganzheitliche Bedarfsanalyse, die regionale Besonderheiten berücksichtigt, ist ein erster wichtiger Meilenstein hin zu einem vollständigen Mobilitätskonzept“ meint Marcel Malcher, Vorstand der Becker Büttner Held Consulting AG. Aus der Vielzahl von Angeboten und Mobilitätsformen gilt es darauf basierend passende Elemente in einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie zu kombinieren.

Nach vielen spannenden Gesprächen rund um neue, kreative Möglichkeiten auf der Messe war der Aufprall in der Realität schonungslos ehrlich: Bei der Abreise vom Messegelände haben verstopfte Straßen und hoffnungslos überfüllte Straßenbahnen gezeigt, dass zwischen den diskutierten Visionen und der Realität noch eine große Lücke klafft. Hierdurch fühlen wir uns bestätigt, dass neue Mobilitätskonzepte zeitnah gefragt sind. Das gilt für Großstädte wie Frankfurt, aber auch für kleinere Städte und Gemeinden. Schließlich haben alle Bewohner (und natürlich auch die Messebesucher) das Bedürfnis nach erschwinglicher und komfortabler Mobilität.